Logo Sophia Altklug - Kristin Kunze "Der Apfel muss gepflückt werden,
ehe er faul wird."
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"Ein erster Schritt aus dem Reich der Trauer"
 

In: Kölner Stadtanzeiger 9.12.2003

Der "Clownin" Sophia Altklug gelingt mit ihrem Theaterstück eine ergreifende Mischung aus Humor und Melancholie.

von Meike Strüber

Sülz - "Niemals geht man so ganz. Irgendetwas von mir bleibt hier." Mit diesen Liedzeilen wurden die Zuschauer im Terstegenhaus auf ihre Reise ins Land der Trauer vorbereitet - eine ungewöhnliche Reise, mit einer noch ungewöhnlicheren Begleitung: der "Clownfrau" Sophia Altklug. In ihrem Theaterstück "Wenn die Clowinin Trauer trägt" verarbeitete die Künstlerin, die mit bürgerlichem Namen Kristin Kunze heißt, das Thema "Trauer" auf einfühlsame und gleichzeitig humorvolle Weise. Trauer und Trost, Loslassen und Einlassen, Abschiede und Neuanfang, das sind die beiden Pole, zwischen denen sich ein Mensch bewegt, der den Verlust eines Nahestehenden zu verschmerzen hat. Beide Seiten beleuchtet die "Clownin", wenn sie das Publikum teilhaben lässt an ihrer Reise in die Vergangenheit. Beim Herumstöbern auf ihrem Dachboden stößt die Protagonistin auf die Spieldose ihrer Mutter und wird dadurch an deren Tod und ihren damals durchlebten Trauerprozess erinnert. In märchenhaften Vergleichen schildert sie dem Publikum die verschiedenen Phasen ihres Schmerzes: Mal drückte er sich in Eiseskälte aus, die sich "wie der gläserne Sargdeckel Schneewittchens" über sie legte, mal ließ er sie rastloch umherirren, mal türmte er sich "wie eine Dornenhecke" um sie, durch die sie niemanden mehr vordringen ließ.

"Ich habe dir doch noch soviel zu sagen!" Das Gefühl von Reue gehörte zum Prozess ebenso wie Wut, Unverständnis, aber auch Erkenntnis und schließlich Hoffnung, die sie langsam die ersten Schritte aus dem "Reich der Trauer" zurück ins Leben hinauswagen lässt. Denn hier wartet eine Aufgabe auf sie: "du musst lernen, mit dem Regenbogen zu jonglieren".

"Das ist ein Stück, in dem ich nicht spiele sondern ganz ich selbst bin", betonte Kristin Kunze, die vor ihrer Entscheidung, freiberufliche "Clownin" zu werden als Zahnärztin arbeitete. Heute übt sie diese Tätigkeit bei regelmäßigen Einsätzen in verschiedenen Ländern der Dritten Welt aus. Das Theaterstück, in das sie neben eigenen Erfahrungen auch Verhaltensmuster von Trauernden einfließen ließ, die sie in ihrer Umwelt beobachtete, zeichne sich besonders durch die "echte" Ebene zwischen ihr und dem Publikum aus. "Ich bin mir selbst begegnet", meinte so auch Zuschauerin Elfriede Surges, die durch ihre Hospizarbeit täglich mit dem Thema Abschiednehmen konfrontiert wird. Ihrer Kollegin Waltraud Glössner ging es ähnlich: "Man lässst durch das Stück seine eigenen Trauerphasen Revue passieren und merkt dabei: Ich bin nicht allein, viele Menschen durchleben Ähnliches - und das tut gut."

 
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