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ehe er faul wird."
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Klug, mutig und neugierig.
Sophia Altklug mit "Oma Maria spielt die erste Geige"

In: Main-Echo 14.5.2005

von Melanie Pollinger

Hösbach-Schmerlenbach. Marie-Christine schwingt die Fäuste in Boxhandschuhen gegen einen unsichtbaren Feind. "Wir waren damals gegen alles - gegen Fischstäbchen und schnellen Brüter, gegen den Schah von Persien und gegen Amalgam in den Zähnen, gegen Äpfel aus Neuseeland und Mädchen von den Philippinen." Ein atemberaubendes Tempo legte die Clownin Sophia Altklug (60plus) bei ihrem Ein-Frau-Stück mit fünf Hauptpersonen und einem Teddy am Donnerstagabend im Bildungshaus vor.

Der Auftritt der Zahnärztin Dr. Kristin Kunze, die mit 53 Jahren ihren zweiten Beruf an einer Zirkus- und Clownschule erlernt hatte, war Abschluss des diesjährigen Frauentags in Schmerlenbach. Tagsüber nutzte nur ein Dutzend Besucherinnen das Angebot unter dem Motto "Frauen glauben anders" zu Meditationen und Phantasiereisen, zur Begegnung mit Frauengestalten in der Bibel und den Äbtissinnen des früheren Benediktinerinnenklosters Schmerlenbach.

50 Zuschauerinnen am Abend. Das war eine beachtliche Zahl angesichts der Konkurrenz nebenan im Kreuzgang, wo zum Gedenken an das Kriegsende vor 60 Jahren das Literaturkonzert mit dem Tucholsky-Titel "Glaub diesen Buschen nie, nie wieder!" gegeben wurde. Pfarrer Stefan Eirich, der geistliche Leiter des Bildungshauses, meinte, die Terminüberschneidung sei bedauerlich, aber nicht zu vermeiden gewesen.

Familienseelsorgerin Eva Meder-Thünemann und Bildungsreferentin Dr. Ursula Silber nahmen's gelassen und freuten sich, dass sich nach der Aufführung ein lebhaftes Gespräch mit der Humor-Botschafterin aus Nümbrecht in Nordrhein-Westfalen entspann. Ihr Stück "Oma Marie spielt die erste Geige", ein Schnelldurchgang durch die Geschichte der Frauenemanzipation in fünf Generationen, hatte die Zuschauerinnen blendend unterhalten und neugierig auf die Schöpferin gemacht.

Ein kleines Mädchen mit Teddybär am Anfang und am Ende schließt den Reigen, der mit dem Kaiserwalzer beginnt. Oma Maria mit Spitzenhäubchen und langem schwarzen Reifrock erzählt von ihrem Franz, mit dem sie 50 Jahre duch dick und dünn gegangen ist, und von ihrer Geige, die sie der Tochter Marie geschenkt hat. Diese - "so klug, mutig, lustig, neugierig" - wird Geigenvirtuosin.

Mit den schwieligen Händen, die Holz gehackt, Bucheckern gesammelt, aus Autoreifen Schuhe genäht und Frostbeulen verbunden haben, kann sie das Instrument nicht mehr spielen, meint Maire und summt das Lied vom Maikäfer.
Ihr "Sonnenschein", Marie-Christine, soll die Geige haben. Diese aber steht mehr auf Janis Joplins "Me And Bobby McGhee", singt statt "Backe, backe Kuchen" lieber "We Shall Overcome" mit Tochte Marie-Anne und nimmt sie bei Nieselregen nach Gorleben und Kalkar mit.

Marie-Christine, das sei sie selbst, erzählt die Clownin nach dem Theater. Es ist nicht schwer, das zu erraten. Mit unglaublicher Kraft und Geschmeidigkeit wirbelt die Senorin mit dem wettergegerbten Gesicht über die Bühne, spielt zum "Ketshup-Song" eine zwerchfellerschütternde Pantomime ab: Geld ziehen am Bankautomaten, dann Einkaufen mit einem Kleinkind.

In diesem gemeinsamen Lachen finden sich Frauen wieder, meint Altklug. "Mich interessiert Humor, der uns stärkt und verbindet, nicht der, der mich erhöht und andere klein macht. "Test mit Elektro-Akupunktur hätten bestätigt: Humor sei etwas Lebendiges, das im menschlichen Körper fließe. Bei ihren vielen ehrenamtlichen Einsätzen als Zahnärztin in Entwicklungsländern habe sie gestaunt über dieses Lachen, diesen Lebensmut angesichts von so viel Armut. "Bei uns wird stattdessen eine Klagekultur gepflegt."
Wer sei nun eigentlich arm oder reich? Bühnenfigur Marie-Anne spielt die Frage in Symbolen durch: Als Goldschmiedin wird sie arbeitslos, schult um zur Kaminkehrerin, befreit die Leute von ihrem Pech und fühlt sich "richtig gut". Die Fiedlerin auf dem Dach hat wieder ein kleines Mädchen, das davon träumt: "Wenn ich groß bin, werde ich Geige lernen und ein kleines Mädchen haben. Das ist ganz klug, mutig, lustig und neugierig...".

 

 

 
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