Logo Sophia Altklug - Kristin Kunze "Der Apfel muss gepflückt werden,
ehe er faul wird."
  HomeKurseStückePresseInfos/KontaktLinks
 
 
"Emanzipation im Zeitraffer "
 

Foto aus dem Stück Kabarettistin Dr. Kristin Kunze lieferte mit "Oma Maria" eine Bestandsaufnahme

In: Weser-Kurier / Die Norddeutsche vom 10. März 2005

von Brigitte Lange

Schwanewede. "Ich hatte natürlich ganz andere Möglichkeiten als meine Mutter. Es war schließlich eine neue Zeit." Ob am Ende des 19. Jahrhunderts oder am Anfang, in der Mitte beziehungsweise am Ende des 20. Jahrhunderts - alle Frauenfiguren, in deren Rolle Dr. Kristin Kunze in der Begegnungsstätte schlüpfte, teilten diese Überzeugung. Aber hatte Mariechens Mutter wirklich mehr Möglichkeiten als Ururgroßmutter Maria? Wie steht es heute um die Gleichberechtigung? Am Internationalen Frauentag blickte die Kabarettistin zuruck.
(...)
Dr. Kristin Kunze schlug in "Oma Maria oder die erste Geige" (...) nachdenklich stimmende Töne an. Am Beispiel von fünf Generationen von Frauen ließ sie die Emanzipation Revue passieren. Von Ururoma Maria, die gern Musik studiert hätte, aber weder das Recht noch das Geld besaß, bis zum kleinen Mariechen, die eigentlich gar keine Lust hat mit Jungen zu spielen und wenn sie groß ist sowohl Geigen bauen als auch eine kleine Tochter haben möchte, spannte sich der Bogen.
Als Symbol für angeborene Talente und erstrittene Rechte reichte jede Mutter die Geige an ihre Tochter weiter. Was Marie-Ann oder Marie-Christine mit dem Instrument anstellten, hing von den Möglichketien ab, die ihnen die Gesellschaft bot. "Alle sind mit ihren Ressourcen zur Welt gekommen und haben sie nach ihren Bedingungen genutzt", sagte Kunze und blieb wertfrei.

Foto aus dem Stück Mal ließ die Kabarettistin ihre Figuren, nach dem zerplatzten Traum des Musikstudiums, 50 Jahre lang die erste Geige in der Ehe spielen. Mal ließ sie die Tochter in den 20-er Jahren mit der Geige durch Europa touren, bis sie in den 30-er Jahren im Hafen der Ehe Schutz suchte. Die nächste Tochter spielte Geige nur in der Freizeit und stritt in den 70-er und 80-er Jahren gegen alles und nichts bis sie müde wurde und sich vom Kampf abwendete - hin zum Bauernhäuschen auf dem Lande, wo sie bei Hühnern und Gurken die erste Geige spielte. Ihre Tochter setzte sich für anderes ein: Statt Idealen verfolgte sie ihre Karriere, kaufte Haus, Auto, Aktien. Das Ich wurde wichtiger als die Frauenbewegung. Für Mariechen, war dies alles kein Thema mehr. Wie selbstverständlichh nahm sie im Hier und Jetzt alle Rechte für sich in Anspruch.
Für Kunze ist dies das Ende einer Bestandsaufnahme, aber nicht das Ende des Wegs. "Die jungen Leute sind heute zwar nicht mehr auf unserer Schiene, aber es ist auch eine neue Zeit. Sie haben ihre Talente und werden sie nach ihren Möglichkeiten umsetzen - wie jede Generation."

 

 

 
  © Dr.Kristin Kunze, Institut Erfolg und Humor, Bellingroth 2000 - 2011 Impressum