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In: Zeitung Seesen 30. April 2004
Sophia Altklug alias Dr. Kristin Kunze auf einer "Reise durch das Trauerland"
Seesen (bo). Wie kommt es, dass eine Clownin im Rahmen einer Veranstaltungsreihe über die Themen Leben, Sterben, Tod und Trauer auftreten kann? Die Clowns und Clowninnen dieser Welt, das sind Menschen, welche die besondere Kunst beherrschen, Menschen nicht nur oberflächlich zu erheitern, sondern so zu bewegen, dass sich ihre Herzen mit Freude füllen, mit einem ganz positiven Lebensgefühl, obwohl sie gleichzeitig vielleicht gerade ganz traurig sind. Es ist die besondere Kunst, die Menschen mit Humor, ja, mit dem ganzen Spektrum der Gefühle ins Innerste ihres Herzens zu führen und sie dort zu berühren.
Dass sie diese Kunst in besonderer Weise beherrscht, das bewies Dr. Kunze in ihrem gut einstündigen Stück "Die Spieldose - Wenn die Clownin Trauer trägt" auf eindrucksvolle Weise.
Es gab wohl niemanden, der in dieser Stunde nicht herzlich gelacht und nicht auch einige Tränen abgewischt hätte. Nicht wenige sagten in anschließenden Gesprächen: "Genauso habe ich es auch erlebt, als ich selbst getrauert habe".
Als ältere Dame sucht die Clownin den Dachboden ihres Hauses auf und stöbert in den Dingen, die an das Leben ihrer seit 20 Jahren verstorbenen Mutter erinnern: Ein Bild, auf dem die Mutter als kleines Kind zu sehen ist, ein Koffer voller Spielzeug, Krimskrams und bunter Tücher, ein altes kaputtes Akkordeon, ein Wackel-Dackel und: eine Spieldose. Mit dieser Spieldose in der Hand geht die Clownin in die Erinnerungen ihrer Lebensgeschichte zurück in die Zeit, die sie mit ihrer Mutter erlebte, bis diese starb, und in die Zeit danach, als sie in Trauer war. Und sie nimmt das Publikum mit auf ihre Reise durch das Trauerland. Sie lebt und erlebt ihre Trauer auf unterschiedliche Weisen und in unterschiedlichen Phasen. Sie fühlt sich wie Dornröschen im dornigen Schlaf oder wie Scheewittchen eiskalt erstarrt. Sie lenkt sich ab mit Arbeit wie Aschenputtel und verdrängt ihre Taurigkeit, und dann ertrinkt sie fast in einem Meer aus Tränen. Sie wirkt heiter und stark, und im nächsten Moment verschlingt sie der Wolf der Alkoholsucht. Sie durchlebt Höhen und Tiefen, Wut und Dankbarkeit, Konflikt und Liebe. Als sie wieder auftaucht aus dem Land der Trauer und sich wieder neu auf das Leben einlassen kann, macht sie die Erfahrung, wie es sein kann, etwas loszulassen und zu verlieren und doch reicher zu werden, Abschied nehmen zu müssen und sich dennoch beschenkt zu fühlen.
Ein Geschenk, das war diese Stunde mit Sophia Altklug für alle, die sie miterleben konnten, eine Erfahrung, die Mut macht und dazu herausfordert, sich den eigenen Gefühlen beim Abschiednehmen zu stellen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, sie auch mit anderen zu teilen; eine Erfahrung, die zeigt, dass es möglich ist, auch eine Sterbe- und Trauersituation als ein Geschenk des Lebens anzunehmen.
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